Ratgeber · Blutwerte
Blutwerte ab 40: Welche Werte Frauen checken lassen sollten
Müde, obwohl du genug schläfst? Mehr Bauch, obwohl du nicht mehr isst? Bevor du an Training und Ernährung drehst, lohnt sich ein Blick ins Labor. Ein paar Werte erklären erstaunlich viel.
Das Wichtigste in Kürze
- Meine Basis für Frauen ab 40: Blutbild, Ferritin, Vitamin D, TSH, HbA1c und die Blutfette.
- Lipoprotein(a) reicht einmal im Leben.
- Hormonwerte schwanken in den Jahren vor der Menopause stark. Ein einzelner Wert ist nur eine Momentaufnahme.
- Lass morgens und nüchtern Blut abnehmen und frag vorher, ob du Biotin absetzen sollst.
Die Basis, die ich jeder Frau ab 40 empfehle
Ferritin und Blutbild
Ferritin zeigt, wie voll dein Eisenspeicher ist. Das ist für Frauen ab 40 einer der wichtigsten Werte, weil die Blutungen in den Jahren vor der Menopause oft stärker werden. Ein leerer Speicher macht müde, schwächt im Training und lässt Haare dünner werden. Das Hämoglobin im Blutbild fällt erst, wenn der Speicher schon leer ist. Deshalb reicht das Blutbild allein nicht.
Die WHO wertet bei gesunden Erwachsenen ein Ferritin unter 15 µg/l als Eisenmangel. Ich schaue schon unter 30 µg/l genauer hin, vor allem wenn du müde bist oder viel trainierst. Bei Entzündungen steigt Ferritin an, dann sieht der Speicher voller aus, als er ist. Deshalb messe ich das CRP gleich mit.
WHO, Guideline on the use of ferritin concentrations to assess iron status, 2020
Vitamin D
Gemessen wird 25-OH-Vitamin-D. Rund 30 % der Erwachsenen in Deutschland liegen unter 12 ng/ml und damit im Mangel. Die DGE sieht ab 20 ng/ml eine ausreichende Versorgung. Am niedrigsten ist der Wert meist im Februar und März. Gibt dein Labor nmol/l an, teilst du durch 2,5.
Robert Koch-Institut, DEGS1, Rabenberg et al., 2015; Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte Vitamin D, 2012
TSH für die Schilddrüse
Müdigkeit, Gewichtszunahme, Frieren, trockene Haut: Eine Unterfunktion der Schilddrüse sieht den Wechseljahren zum Verwechseln ähnlich. Der TSH-Wert ist der Suchtest dafür. Liegt er außerhalb des Referenzbereichs, bestimmt deine Ärztin die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 und klärt weiter ab.
HbA1c
Der HbA1c ist der Langzeitzucker. Er zeigt, wie hoch dein Blutzucker im Schnitt der letzten acht bis zwölf Wochen war. Ab 5,7 % spricht die Amerikanische Diabetes-Gesellschaft von Prädiabetes, ab 6,5 % von Diabetes. Ein Wert im Prädiabetes-Bereich ist für mich kein Grund zur Panik, sondern ein klarer Auftrag: mehr Muskeln, mehr Bewegung, weniger Zucker.
American Diabetes Association, Standards of Care in Diabetes, 2025
Blutfette
Dazu gehören LDL- und HDL-Cholesterin und die Triglyceride. Rund um die letzte Periode steigt das LDL bei vielen Frauen deutlich an. In der amerikanischen SWAN-Studie mit gut 1.000 Frauen stiegen LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B im Jahr um die letzte Periode stärker als in den Jahren davor oder danach. Ein Wert von vor fünf Jahren sagt deshalb wenig über heute.
Matthews et al., Journal of the American College of Cardiology, 2009
Einmal im Leben solltest du außerdem Lipoprotein(a) messen lassen. Der Wert ist größtenteils vererbt und ändert sich kaum. Ist er hoch, steigt das Risiko für Herzinfarkt, und dann zählen die anderen Blutfette umso mehr. Die europäischen Fachgesellschaften für Kardiologie und Atherosklerose empfehlen die einmalige Messung für alle Erwachsenen.
Mach et al., ESC/EAS-Leitlinie Dyslipidämie, European Heart Journal, 2020
Sinnvoll je nach Situation
- Vitamin B12: wenn du vegetarisch oder vegan isst, Metformin nimmst oder lange Säureblocker einnimmst
- hs-CRP: ein empfindlicher Entzündungswert, nützlich zusammen mit Ferritin und Blutfetten
- Omega-3-Index: wenn du selten fetten Fisch isst. Ziel sind 8 % oder mehr.
- Leber- und Nierenwerte: wenn du regelmäßig Medikamente nimmst oder öfter Alkohol trinkst
Magnesium lasse ich selten messen. Fast alles Magnesium sitzt in Knochen und Zellen, der Wert im Blut sagt über deinen Speicher wenig aus.
Und die Hormone?
Östradiol, Progesteron und FSH schwanken in den Jahren vor der Menopause von Woche zu Woche, manchmal von Tag zu Tag. Ein einzelner Wert kann völlig normal aussehen, obwohl du mitten in der Umstellung steckst. Die britische NICE-Leitlinie rät deshalb, bei Frauen über 45 mit typischen Beschwerden die Perimenopause anhand der Beschwerden festzustellen und dafür keinen FSH-Test zu machen.
NICE, Menopause: diagnosis and management (NG23), 2015, aktualisiert 2024
Ich nutze Hormonwerte trotzdem, aber als Momentaufnahme zusammen mit deinen Beschwerden und deinem Zyklus. Unter 45, bei sehr unregelmäßigen Blutungen oder wenn du über eine Hormontherapie nachdenkst, ist deine Frauenärztin die richtige Ansprechpartnerin.
Referenzbereich heißt nicht „alles gut“
Der Referenzbereich auf deinem Befund umfasst die mittleren 95 % einer gesunden Vergleichsgruppe. Er sagt, was häufig ist, nicht, was dir guttut. Ein Ferritin von 18 µg/l liegt in vielen Laboren im grünen Bereich. Für eine Frau, die dreimal pro Woche trainiert und ständig müde ist, halte ich das für zu knapp. Schau deshalb auf die Zahl, nicht nur auf das fehlende Sternchen, und vergleiche sie mit früheren Werten.
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So bereitest du die Blutabnahme vor
- Lass morgens zwischen 7 und 10 Uhr abnehmen. Einige Werte schwanken über den Tag.
- Komm nüchtern, also 10 bis 12 Stunden ohne Essen. Wasser ist erlaubt. Für Blutzucker und Triglyceride ist das wichtig.
- Mach am Vortag kein hartes Training. Es kann Muskel- und Leberwerte für ein bis zwei Tage verfälschen.
- Nimmst du Biotin, etwa in Haar- oder Nagelpräparaten, sag es dem Labor. Hohe Dosen stören viele Messverfahren, unter anderem für TSH. Das Labor sagt dir, wie lange du vorher pausieren sollst.
- Geh nicht mit einem Infekt hin. Ferritin und CRP sind dann erhöht.
- Wenn du Hormone messen lässt, notier deinen Zyklustag.
Wenn du Werte vergleichen willst, bleib beim selben Labor. Verschiedene Labore messen mit unterschiedlichen Verfahren.
Was zahlt die Krankenkasse?
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check-up. Dabei werden die Blutfette und der Blutzucker bestimmt. Ferritin, TSH oder Vitamin D zahlt die Kasse in der Regel, wenn es einen medizinischen Grund gibt, zum Beispiel anhaltende Müdigkeit. Sprich deine Beschwerden in der Praxis deshalb konkret an. Ohne Anlass zahlst du die Werte selbst, beim Arzt oder über ein Testkit für zu Hause.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meine Blutwerte checken lassen?
Die Basis einmal im Jahr reicht, wenn alles in Ordnung ist. Vitamin D misst du am besten Ende des Winters. Hast du etwas verändert, etwa Eisen eingenommen, kontrollierst du nach etwa drei Monaten.
Kann ich einem Testkit für zu Hause vertrauen?
Für die meisten Basiswerte ja, wenn ein zertifiziertes Labor dahintersteht. Ich empfehle Kits mit dem Tasso+, das fast schmerzfrei am Oberarm Blut abnimmt. Bei auffälligen Werten lässt du sie in der Praxis noch einmal bestimmen.
Muss ich für Vitamin D nüchtern sein?
Nein. Für Blutzucker und Triglyceride schon. Wenn du alles auf einmal machst, gehst du einfach nüchtern hin.
Was mache ich, wenn ein Wert auffällig ist?
Besprich ihn mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Ich stelle keine Diagnosen. Im Coaching leite ich aus deinen Werten ab, was du bei Training, Ernährung und Alltag ändern kannst.
Dein nächster Schritt
Schau nach, wann dein letzter Check-up war und welche der Basiswerte darin fehlen. Wenn du deine Werte nicht allein deuten willst: Im Longevity-Paket werte ich deine Blutwerte zu Beginn und nach sechs Monaten mit dir aus, im Kraftwerk-Paket deinen Hormontest.